Interventionen/Theorie/Hintergrund



„Soziale Bewegungen und künstlerische Strategien“ Einführungsseminar

Termin
Wöchentlich am Mo 10-12h, Seminarraum Klasse Ersttermin Mo, 11. Oktober 2010
Die LV wendet sich im Besonderen an Studierende des 1. und 3. Semesters.
Neue Soziale Bewegungen sind Protestgruppen, Bündnisse und Allianzen, deren Wurzeln in der Student_innenbewegung der späten 1960er Jahre liegen. Sie unterscheiden sich vor allem aufgrund ihrer unterschiedlichen Organisationsformen von der klassischen Arbeiter_innenbewegung. Neue soziale Bewegungen erheben radikaldemokratische Forderungen mit dem Ziel solidarischer, selbstbestimmter Lebensweisen und der Verbesserung der Lebensbedingungen.
Zu ihren Umfeld zählen Selbsthilfegruppen im Gesundheits- und Sozialbereich, Schwulen- und Lesbengruppen, Hausbesetzer_Innen und militante autonome Gruppen.* Aufgrund ihrer offenen Struktur und der kreativen Ansätze, die ihren unterschiedlichen Protestformen zugrunde liegen, sind diese Gruppen für Künstler_Innen ein interessantes Betätigungsfeld.
Zum einen beteiligen sich Künstler_innen und gestalten aktiv Kampagnen mit, designen Flyer, Websites und Demo-Utensilien, zum anderen dokumentieren Künstler_innen die Aktionen und die Organisationsstrukturen der Gruppen.
Welche besondere Rolle kommt Künstler_innen bei der Dokumentation sozialer Bewegungen zu? Welche Qualität erfahren Kampagnen und Demonstrationen durch die Beteiligung von Künstler_innen? Inwieweit verschwimmen die Grenzen zwischen künstlerischen und aktivistischen Praxen?
Um diesen Fragen nachzugehen, werden wir uns im Rahmen des Seminars mit zeitgenössischen Kunstwerken der letzten zwanzig Jahre beschäftigen. Von Interesse ist, wie soziale Bewegungen in Kunstwerken abgebildet werden und welche Funktion Kunst als integraler Bestandteil einer Bewegung zukommt. Hierbei ergibt sich sowohl die Chance als auch die Problematik der Ästhetisierung eines politischen Anliegens.
Einen besonderen Schwerpunkt des Seminars bildet die Beschäftigung mit dem Aktionsbündnis „kein mensch ist illegal“. „kein mensch ist illegal“ wurde im Rahmen der Documenta X im Jahr 1997 gegründet und setzt sich dafür ein Flüchtlinge und Migrant_innen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus „bei der Ein- oder Weiterreise zu unterstützen, Migrant_innen Arbeit und Papiere zu verschaffen und medizinische Versorgung, Schule und Ausbildung, Unterkunft und materielles Überleben zu gewährleisten.“**
Ein weiteres wichtiges Beispiel ist das 1987 in New York gegründete Aktionsbündnis Act Up (AIDS Coalition to Unleash Power), welches gegen die Stigmatisierung von Menschen mit AIDS eintritt. Diese Bewegung kann als ein anarchistisches Netzwerk bezeichnet werden und die Kampagnen wurden unter aktiver Beteiligung von Künstler_innen entwickelt. Act Up hatte großen Einfluss auf die Politisierung der Kunst der 90er Jahre.
Die Teilnehmer_innen dieses Seminars erarbeiten sich Grundlagen, die für die Teilnahme an dem praxisbezogenen Nachmittagsseminar „Interventionen II“ im nächsten Semester erforderlich sind.
Bisherige Interventionen im Rahmen der Seminarreihe: 2006: Konzept Kochen, 2007: Comments on racism, 2008: Sicher Leben. 2009/2010: Umgestaltung des Lueger Denkmals in ein Mahnmal

* Vgl. Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland
** cross the border (Hg.) 1999, S. 5. Siehe auch Anhang II

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